Unser Wald
Die Gredinger Mehlbeere - einzigartige Perle der Natur
von Philipp Kirchlechner

Nahe Greding gibt es eine Baumart, die weltweit einzigartig ist. Nur hier und nirgendwo anders, findet man diese schützenswerte Besonderheit der Natur.

Die Gredinger Mehlbeere – ein weltweit einzigartiger Baum

Frucht der Gredinger MehlbeereZoombild vorhanden

Foto Norbert Meyer

Die Galapagosinseln sind bekannt für ihre einzigartige Pflanzen- und Tierwelt. Viele der dortigen Inselbewohner leben nur dort und sonst weltweit nirgendwo anders. Man nennt sie Endemiten. Aber auch in Greding gibt es solch eine Besonderheit: die Gredinger Mehlbeere. Sie wächst nur in einem kleinen Areal südöstlich von Greding am Pfaffenberg und mit einzelnen Exemplaren auch in einer Hecke in der Nähe von Mettendorf.
Mehlbeeren sind auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet. Sie sind verwandt mit den bekannteren Vogelbeeren und Elsbeeren. Regional haben sich durch eine besondere Spielart der Fortpflanzung verschiedene Mehlbeerarten herausgebildet, wie zum Beispiel die „Hersbrucker Mehlbeere“ oder die „Fränkische Mehlbeere“. Vor ca. 30 Jahren haben Herbert und Ruth Schuwerk aus Pappenheim die Gredinger Mehlbeere entdeckt, daher lautet ihr botanischer Name auch Sorbus schuwerkiorum.
Gredinger Mehlbeere Frucht und BlätterZoombild vorhanden

Foto Norbert Meyer

Die Mehlbeeren fühlen sich besonders auf kalkreichen, warmen und sonnigen Standorten im Weißjura wohl. Andrea Kerskes (Regierung von Mittelfranken, Höhere Naturschutzbehörde), Philipp Kirchlechner (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth) und Stefanie Haacke (Landschaftspflegeverband Mittelfranken e.V.) haben 2015 einen aktuellen Bestand von ca. 60 Exemplaren gezählt, dauerhaft markiert und mittels GPS eingemessen.
Gredinger Mehlbeere Stamm und KroneZoombild vorhanden

Foto Philipp Kirchlechner

Problematisch für die Erhaltung dieser absoluten Rarität ist die fehlende traditionelle Waldbewirtschaftung am Pfaffenberg. Früher wurden die Bäume in den schwer zugänglichen Hängen alle 20-30 Jahre bis auf den Wurzelstock zurückgeschnitten. Dadurch konnte sich die konkurrenzschwache, lichtliebende Mehlbeere mit ihrer hohen Stockausschlagfähigkeit leicht durchsetzen. Inzwischen verdunkeln zunehmend konkurrenzstärkere und langlebigere Baumarten die Bestände und zwingen die Mehlbeere zu skurrilen nach dem Licht gewundenen Wuchsformen. Langfristig bedeutet der zunehmende Schatten das Ende des Vorkommens.
Daher brauchen die Gredinger Mehlbeeren regelmäßige Pflege, um ihrem ansonsten sicheren Tod zu entgehen. Die Pflegearbeiten richten sich gegen ihre Konkurrenten und werden durch den Landschaftspflegeverband Mittelfranken e.V. organisiert. Die Pflegekosten können bis zu 90% über die Bayerische Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie gefördert werden. Die Arbeiten vor Ort führt entweder der der Waldeigentümer selbst oder ein Unternehmer durch.