Baumarten-Steckbriefe
Weißtanne, der Schattenbaum im Gebirge

Tannenwald

Die Weißtanne ist eine typische mitteleuropäische Gebirgsbaumart. Sie erträgt Kälte und Feuchtigkeit und meidet das trocken-warme Klima des Flachlandes. Ihr Wurzelwerk ist so kräftig, dass es auch in schwerste Tonböden und Böden mit Staunässe eindringen kann. Zusammen mit Fichte und Buche baut die Tanne in den Alpen und höheren Mittelgebirgen den holzertragreichen Bergmischwald auf. Weil sie etwas mehr Wärme als die kälteliebende Fichte verträgt, hat sie in den Gebirgen eine etwas bessere Prognose im Klimawandel.

Merkmale

Die Weißtanne wird bis zu 60 m hoch, bis zu 600 Jahre alt und erreicht einen Stammdurchmesser von bis zu 3 m.
Sie bildet einen geraden Stamm mit silbriggrauer, feinrissiger Schuppenborke aus.
Die Krone ist anfangs spitzkegelförmig, im Alter mit abgeflachtem Gipfel.
Die Tannennadel besitzt unterseits zwei weiße Wachsstreifen.
Die Zapfen stehen aufrecht und zerfallen nach der Reife am Baum.
Die Tanne bildet eine tiefreichende Pfahlwurzel mit vielen Seitenwurzeln.

Natürliche Herkunft

Von Natur aus kommt die Weißtanne in den Hoch- und Mittelgebirgen Mittel- und Osteuropas vor. Sie fehlt allerdings in allen Wärmegebieten Europas.
Für den Klimawandel werden der Tanne in den kühleren Lagen der Gebirge, wie sie bei uns in den Hochlagen der Frankenalb vorkommen, gute Prognosen ausgestellt. Im Flach- und Hügelland und in den tieferen Lagen der Mittelgebirge wird der Tannenanbau jedoch zunehmend riskant. Zur Risikobegrenzung sollte hier die Tanne, wenn überhaupt, nur in geringen Anteilen gebracht werden.

Anbau

Die Weißtanne ist eine ideale Mischbaumart zur Rotbuche. Im Reinbestand sollte sie nicht angebaut werden. Der Anbau in Mischbeständen senkt zusätzlich die Risiken. Aufgrund ihrer großen Wurzelenergie kann man auch auf staunassen und tonigen Böden Anbauerfolge erzielen. Die Tanne ist eine seltene Baumart und muss häufig gegen Wildverbiss geschützt werden. Ihre Schattenverträglichkeit ermöglicht den frühzeitigen Anbau der Tanne in noch wenig aufgelichteten, dunklen Beständen. So gewinnt sie einen Vorsprung gegenüber anderen Baumarten und krautigen Pflanzen.
Das natürliche Verjüngungspotential alter Weißtannen ist hoch. Sie liebt es, sich unter dem Altbestand natürlich zu verjüngen. Tannen - Naturverjüngung sollte, wo immer möglich, beim Aufbau der nächsten Waldgeneration verwendet werden. Zudem ist sie kostenlos. Auch Tannen brauchen Licht, wenn sie zu großen Bäumen heranwachsen sollen. Daher sollte man das Nachlichten über der gesicherten Verjüngung nicht vergessen.

Risiken

Die Tanne leidet als seltene Baumart bei uns besonders unter dem Verbiss durch das Rehwild.
Auf freien Flächen ohne den Schirm alter Bäume droht Gefahr durch Spätfrost.
Schadorganismen wie Pilze oder Insekten können der Weißtanne nur wenig anhaben.
Es gibt einige auf Tanne spezialisierte Borkenkäfer, großflächige Schäden wie bei der Fichte sind aber selten.
Die Mistel entzieht als Halbschmarotzer Wasser und Nährstoffe und schwächt so die Tannen vor allem in besonders trockenen Jahren.

Nutzung

Das Holz der Weißtanne ist grauweiß bis gelblich und bildet Kern.
Weißtannenholz ist dem Fichtenholz vollständig gleichwertig.
Tannenholz ist harzfrei und wird bei entsprechenden Durchmessern auch als Furnier verwendet.
Dennoch wird Tannenholz derzeit noch etwas schlechter bezahlt als Fichte.
Tannen sind als Christbäume in der Weihnachtszeit sehr begehrt. Meist sind dies allerdings Nordmannstannen.

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