Baumarten-Steckbriefe
Edelkastanie, die Edle aus dem Süden

Stamm der Edelkastanie

Schon die Römer haben die Edelkastanie über den Mittelmeerraum hinaus verbreitet. Sie billigt keine extrem tiefen Wintertemperaturen, wie sie in Mitteleuropa doch häufiger vorkommen. Die Böden können ruhig arm sein, Kalk sollten sie auf keinen Fall enthalten. Optimal sind für sie die Hügelländer mit Weinbauklima.
Im Klimawandel ist diese Baumart auf sauren Böden eine echte Anbaualternative, da sie mit Wärme gut zurechtkommt.

Merkmale

Die Edelkastanie erreicht eine Höhe von bis zu 40 m und Durchmesser von 1 m und mehr.
Sie ist langlebig und kann Jahrhunderte alt werden.
Die Blätter sind länglich breitlanzettlich mit grob gezähntem Rand.
Die weiblichen Blüten erscheinen von Mai bis Juli.
Die stark stachelige Fruchtschale enthält 2 - 3 essbare Früchte (Maroni).
Die Edelkastanie ist ein Tiefwurzler und eine Halbschattbaumart.

Natürliche Herkunft

Als ursprüngliches Verbreitungsgebiet der Edelkastanie werden die Länder rund um das Mittelmeer, vom Kaukasus bis zur iberischen Halbinsel, angesehen.
Mit dem Weinanbau der Römer gelangte die Esskastanie schon früh nach Norden. Heute gilt sie in den wärmeren Gebieten Deutschlands als eingebürgert.
Ihre Anbaumöglichkeiten verbessern sich mit fortschreitendem Klimawandel. Auch einen starken Temperaturanstieg kann sie verkraften.
In dem Maße, in dem unsere Brotbaumart Kiefer durch den Temperaturanstieg
unter Druck gerät, bekommen wärmeliebende Alternativen wie die Edelkastanie
eine zunehmende Bedeutung für den Waldumbau.

Anbau

Die trockenheitsresistente Edelkastanie bevorzugt wintermilde, sommerwarme Lagen.
Frostgefährdete Lagen („Frostlöcher“) meidet sie.
Die Jahresdurchschnittstemperatur sollte mindesten 8 °C betragen.
Gleichzeitig benötigt sie hohe Niederschlagsmengen bzw. hohe Luftfeuchtigkeit.
Ihre besten Wuchsleistungen zeigt sie auf mäßig frischen, tiefgründigen, lockeren Böden.
Ärmere Silikatböden werden bevorzugt, Kalkböden hingegen gemieden.
Die Edelkastanie ist im Nieder- und Mittelwaldbetrieb eine bevorzugte Baumart.
Sowohl ihre starke Stockausschlagfähigkeit (geeignet für Brennholz) als auch ihr guter gerader Wuchs (bei Wertastung oder entsprechender Mischung) machen sie dafür ideal.
Bei uns empfehlen wir den Anbau der Edelkastanie in Mischung zur einheimischen Buche oder Hainbuche.
Diese Mischung verhindert sperrigen Wuchs und bringt wertholzhaltige Stämme hervor.

Risiken

Ringschäle–Gefahr kann durch konsequente Kronenpflege vermindert werden. Der seit 1938 aus den USA nach Italien eingeschleppte Erreger des Kastaniensterbens kann im gesamten europäischen Areal zu wirtschaftlichen Schaden führen. Pilzstämme des Kastanienrindenkrebses können mit entsprechenen abtötenden Virusstämmen infiziert werden. Die Einfuhr von Pflanzmaterial von der Alpensüdseite ist zu vermeiden (neue Pilzstämme). Bei frischem Befall mit dem Pilz sollten waldbauliche und phytosanitäre Eingriffe vermieden werden (weitere Ausbreitung). Starke Schneefälle können zu Kronenbrüchen führen.

Nutzung

Ähnliche Holzeigenschaften wie Eiche (Stammholznutzung schon nach 60 Jahren möglich). Im Stockausschlagbetrieb (Niederwaldnutzung) ist die Holznutzung schon nach 30 Jahren möglich (Pfähle, Brennholz, und Weitere). Unimprägnierte Verwendung im Außenbereich (Zäune, Außenschalungen, Lawinenverbauung, und Weitere). Parkett, Möbel und Fassherstellung.Verzehr der schmackhaften Früchte (Maroni) und des Blütenhonigs.

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