Baumarten-Steckbriefe
Schwarzerle: Auf den nassen Flecken wachsen Erlenhecken

Erlenwald

Die Schwarzerle wird auch Roterle genannt. Sie kommt von Natur aus ausschließlich auf Grundwasserböden in Mooren, Sümpfen und entlang der Gewässer vor. Durch die Wasserversorgung aus dem Boden ist sie vom Niederschlag weitgehend unabhängig. Vorausgesetzt der Wassereinfluss bleibt auch im Klimawandel erhalten hat sie daher eine gute Prognose. Auf vielen ihrer angestammten feuchten, nährstoffarmen Standorte gibt es zur Schwarzerle keine Alternative.

Merkmale

Die Schwarzerle ist eine schnell und gerade wachsende Baumart. Sie erreicht kein hohes Alter, im Maximum sind es 120 Jahre.
Es werden Baumhöhen von bis zu 30 m erreicht. Wenn die Schwarzerle sich über Stockausschlag verjüngt, kommen oft mehrere Stämme buschartig aus einem Stock.
Typisch sind die runden Fruchtzapfen, aus denen im Winter die schwimm- und flugfähigen Samen
entlassen werden. Im Herbst fallen die Blätter grün vom Baum.

Natürliche Herkunft

Die Schwarzerle ist wie kaum eine andere Baumart an Wasser gebunden. Natürlicherweise prägt sie das Bild der nassen Grundwasserböden entlang von Flüssen und an Ufern von Bächen und Seen. Auf Niedermoortorf bildet die Erle Bruchwälder. Ohne fließendes Wasser, sei es ober- oder unterirdisch, kommt die Baumart nicht vor. Durch den dauernden Wassereinfluss ist die Schwarzerle relativ niederschlagsunabhängig. So kann sie weite Teile Europas mit Ausnahme des extremen Nordens und der Hochlagen der Alpen besiedeln.
Warme Temperaturen machen ihr nichts aus, nur größere Kälte verträgt sie nicht. Nährstoffarme Hoch- und Übergangsmoore mag die Schwarzerle nicht.

Anbau

Feuchte und nasse Böden sind optimal für die Erle. Mit Weiden und Pappeln zählt sie zu den Baumarten mit hoher Überflutungs-Toleranz. Zeitweilig austrocknende Böden führen häufig zu Wipfeldürre und sind daher weniger geeignet. Schwarzerlen schlagen nach der Fällung aus dem Stock wieder aus. Aus Samen erzeugte Pflanzen versprechen jedoch qualitativ hochwertigere Stämme. Die Erle ist mit bodenverbessernden Bakterien vergesellschaftet, die Stickstoff aus der Luft im Boden binden. Voraussetzung für qualitativ und quantitativ befriedigendes Wachstum ist eine allseitig belichtete Baumkrone.
Wie kaum eine andere Laubbaumart kann die Schwarzerle schnurgerade Stämme bilden. Mit rechtzeitigen und häufigen Durchforstungen können Qualitätsholz und hoher Zuwachs erzielt werden. Auf gewässerbegleitenden Uferstandorten ist die Echte Traubenkirsche eine gute, qualitätssteigernde Mischbaumart. Die von der Schwarzerle besiedelten Lebensräume sind durch Veränderungen besonders stark bedroht. Diese sind deshalb häufig durch das Bayerische Naturschutzgesetz und als Lebensräume der FFH-Richtlinie geschützt.
Bei Holzernte und –bringung ist daher besondere Sorgfalt geboten (Ausnutzen strenger Frosttage).

Risiken

In der Jugend ist die Schwarzerle für Wurzelhalsfäule, eine Pilzerkrankung, anfällig.
Durch Rückschnitt der befallenen Pflanzen kann die Krankheit eingedämmt werden.
Die Schwarzerle wird vom Biber kaum gefällt oder angenagt.
Die Larven des Erlenblattkäfers fressen harmlose Fenster in die Blätter - diese Erlen bilden daraufhin neue Blätter.
In Schwarzerlenkulturen kann ein weiterer Käfer, der Erlenwürger, zum Absterben der Bäume führen.

Nutzung

Schwarzerlenholz ist weich, mittelschwer und weder tragfähig noch elastisch. Dafür arbeitet es kaum.
Frisch gefälltes Holz leuchtet im Anschnitt orange.
Das sonst wenig witterungsbeständige Holz ist unter Wasser, ähnlich wie Eichenholz, sehr haltbar.
Das Holz wird als Möbel-, Schnitz-, Drechsel- und Furnierholz verwendet.
Auch eine Verwendung als Konstruktionsholz im Außenbereich (Wasser- und Erdbau) ist möglich.

Weitere Baumarten-Steckbriefe