Baumarten-Steckbriefe
Spitzahorn, der Farbenmeister im Herbst

Spitzahornblätter

Der Spitzahorn mag das trocken-kalte Klima, wie es zum Beispiel im Baltikum herrscht. Seine englische Bezeichnung lautet „Norway Maple“. In Südschweden ist er ein beliebter Zierbaum vor den Gehöften. Hohe Luftfeuchtigkeit mag er ebenso wenig wie übergroße trockene Wärme. Im Klimawandel stößt der Spitzahorn bei uns an seine natürlichen Grenzen. Trockene Wärme erträgt der verwandte Feldahorn viel besser.
Seit Jahrhunderten spielen schon Kinder mit den Früchten, indem sie sich die Früchte auf die Nasen zwicken und so zu Nashörnern werden.

Merkmale

Die Blätter sind handförmig gelappt und zugespitzt, die Blattstiele enthalten Milchsaft.
Ältere Bäume weisen eine längsrissige Borke auf.
Der Spitzahorn ist an seinen gelbgrünen Blüten, die vor dem Laubaustrieb erscheinen, weithin erkennbar.
Der Spitzahorn hat stumpfwinklig, nicht ganz waagrecht zueinander stehende Spaltfrüchte (Nasenzwicker).
Im Herbst zeichnet er sich durch eine äußerst lebhafte, von rot über orange bis gelb reichende Färbung der Blätter aus.

Natürliche Herkunft

Der Spitzahorn kommt einzeln beigemischt fast überall natürlich in Mittel- und Osteuropa vor. Er besiedelt sommerwarme und winterkalte Standorte mit kontinental getöntem Klima. Hohe Luftfeuchtigkeit
verträgt er nicht. Sein Optimum hat er in den östlichen baltischen Ländern. Wegen seiner Frosthärte dringt er weiter nach Norden und Osten vor als der Bergahorn, dagegen steigt er in den feucht-kalten Gebirgen weniger hoch. Er gilt als kalkliebend, wächst aber auch auf kalkfreien, aber nicht zu sauren Böden. Gestautes Wasser im Wurzelraum oder Überflutung erträgt er nicht. Seine Prognose für im Klimawandel zunehmend niederschlagsarme Sommer ist nicht so gut.

Anbau

Das Höhenwachstum des Spitzahorns ist mit etwa 25 Jahren am stärksten ausgeprägt. Deswegen spielt ein gutes Lichtangebot in den ersten Jahren eine entscheidende Rolle. Daher ist es am besten, den Spitzahorn in Lichtlöchern zu verjüngen und zu erziehen. Der Spitzahorn fruchtet fast jedes Jahr reichlich, so dass meist mit Naturverjüngung gearbeitet werden kann.
Er vermehrt sich aber auch über Stockausschläge, die qualitativ weniger befriedigend sind.
Der Spitzahorn ist eine typische Mischbaumart, die man niemals im Reinbestand anbauen sollte. Er wächst gut in Gesellschaft von Rot-, Hainbuche und Esche.
Eine freie und damit gut belüftete Krone führt zu geringerem Pilzbefall und zu erhöhtem Dickenwachstum.
Auf warm-trockenen Standorten ist der Feldahorn die wesentlich bessere Alternative aus der Ahornfamilie.

Risiken

Der Spitzahorn ist keinen bedeutenden Gefahren ausgesetzt und wird als ungefährdet eingestuft. In luftfeuchten Lagen können häufig weiße oder schwarze Blattflecken, die auf Pilzbefall hindeuten beobachtet werden. Warme Witterung und hohe Luftfeuchtigkeit fördern die Infektion. Der Befall durch Blattpilze ist aber nicht lebensbedrohlich.
In der Jugend stellt Mäusefraß eine starke Beeinträchtigung dar.
Bei plötzlicher, starker Freistellung bilden sich qualitätsmindernde Sekundär-Äste (Wasserreiser) am Stamm.

Nutzung

Das gelbliche bis rötlich-weiße Holz ist weniger begehrt als das einheitlich hellere Holz des Bergahorn.
Es ist gleichmäßig dicht, elastisch und zäh, schwindet mäßig, hat eine hohe Abriebfestigkeit und ein gutes
Stehvermögen.
Das Holz ist nicht witterungsfest und empfindlich gegen sekundäre Verfärbungen.
Es wird im Möbel- und Innenausbau, in der Drechslerei und für Musikinstrumente verwendet.

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