Baumarten-Steckbriefe
Vogelkirsche, weiße Augenweide im grünen Wald

Vogelkirsche

Die Vogelkirsche ist eine an das mitteleuropäische Klima angepasste Baumart. Sie verträgt etwas mehr Wärme als die Rotbuche, meidet aber die stärker von Trockenheit und Wärme geprägten Regionen Südeuropas.
Kalkreiche Böden, aber auch basenreiche Standorte mit ausreichender Nährstoffversorgung sind gleichermaßen geeignet.
Durch ihre weißen Blüten, die roten Früchte und das wertvolle Holz ist die Kirsche eine attraktive Baumart mit kalkulierbarem Anbaurisiko im Klimawandel.

Merkmale

Die kleinen Steinfrüchte der Vogelkirsche sind kugelig und glänzend schwarz- bis hellrot. Zur Abgrenzung gilt: Früchte der Kultursorten sind mehr als 1 cm größer im Durchmesser als die der Wildform. Die Früchte der Wildform schmecken bittersüß.
Die Rinde löst sich im Alter in Querstreifen ab. An dieser Ringelborke kann man die Kirsche auch im laublosen Zustand von weitem erkennen.
Noch vor dem Laub erscheinen im Frühjahr die weißen Blüten.

Natürliche Herkunft

Seit Jahrtausenden pflanzt und pflegt der Mensch Kirschbäume. Daher lässt sich das natürliche Verbreitungsgebiet nicht zuverlässig angeben. Bei uns gedeiht der Kirschbaum vor allem in den tieferen Lagen fast überall. In höheren Gebirgslagen findet man ihn kaum. Der Kirschbaum ist im Wald selten. Dennoch ist er immer wieder in allen möglichen Zusammenhängen anzutreffen. Wegen seiner Lichtbedürftigkeit kann er sich vor allem an Waldrändern halten. Dort fällt er besonders durch seine Blüte im Frühjahr auf. Im Klimawandel bekommt er gute Prognosen. Wenn es sehr trocken und warm wird, stößt er an die Grenzen seiner Möglichkeiten.

Anbau

Die Kirsche bevorzugt gut durchlüftete Böden mit ausreichend Nährstoffen. Vögel verbreiten ihre Früchte meist nur über kurze Distanz, im Ausnahmefall aber auch über mehrere Kilometer. Die Vogelkirsche verjüngt sich daher oft natürlich. Bei Pflanzung der Kirsche ist die Wahl geeigneten Vermehrungsguts aus entsprechend bewährten Herkünften besonders wichtig. Keinesfalls geeignet sind die Nachkommen von Kultursorten.
Beim Kirschbaum wächst der Gipfeltrieb besonders ausgeprägt und in der Jugend sehr rasch. Bei genügend Licht bildet sich ein gerader, durchgehender Schaft und eine schlanke Krone.
Als typische Mischbaumart sollte die Kirsche stets gemeinsam mit anderen Baumarten angebaut werden. Im Reinbestand neigt die Kirsche zu sperrigem Wuchs. Wertholz sollte weitgehend astfrei sein. Deswegen müssen Kirschen unbedingt geastet und von Schattlaubholz begleitet werden. Im geschlossenen Bestand muss die Vogelkirsche auf guten Standorten meistens waldbaulich gefördert werden. Als Umtriebszeit im Wirtschaftswald gelten, wegen der im Alter einsetzenden Fäule, 60 bis 80 Jahre. Zum Zeitpunkt der Nutzung soll der letzte Eingriff zehn Jahre zurückliegen, damit der Anteil an Splintholz möglichst gering ist.

Risiken

Sonnenbrand, Nassschnee, Verbiss, Fegen sowie Pilz- und Bakterienkrankheiten schädigen den Kirschbaum, ohne ihn auf geeignetem Standort ernsthaft zu gefährden. Der Gummifluss ist eine Reaktion des Kirschbaumes auf Krankheiten, schlechte Wasserversorgung oder zu starke Wertastung. Der ausfließende Gummi schließt offene Wunden.
Der Kirschbaum ist kurzlebig. Ab etwa 60 Jahren kann der Stamm in Einzelfällen bereits faul und hohl werden. Zügige und konsequente Pflege ermöglichen bis dahin aber starke Stammdurchmesser. Bei zu schneller Auflichtung ohne ausreichendes Schattlaubholz können Wasserreiser den Stamm entwerten.

Nutzung

Aus Kirschbaumholz fertigten Tischler in der Biedermeierzeit wunderbare Stilmöbel. Bis heute ist das Holz als Schreinerware wertvoll und gut bezahlt.
Furnierholz gewinnt immer mehr an Bedeutung. Breite Jahrringe sind nicht wertmindernd. Neben Grobastigkeit tritt gelegentlich Grünstich oder Grünstreifigkeit als Holzfehler auf.
Vorbeugend gegen Grünstich wirkt ein gleichmäßiger Kronenaufbau.

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