Baumarten-Steckbriefe
Stieleiche, eine Eiche für besondere Situationen

Stieleichenwald

Die Stieleiche kommt gut mit Bodenwasser, großer Wärme und großer Kälte zurecht. Ihr Wurzelwerk ist viel stärker ausgeprägt als das ihrer Schwester, der Traubeneiche. Sie erträgt Grund- und Stauwasser und sogar Überflutungen. Ganz arme Böden meidet sie, auf reinen Kalkböden ist sie selten. Die Stieleiche wächst rasch, wenn sie genügend Licht bekommt.

Merkmale

Die Stieleiche wird bis zu 40 m hoch. Im Dichtschluss wächst sie gerade und weit hinauf astfrei, im Freistand oft knorrig und tief beastet. Die Rinde ist anfangs glatt und wenig glänzend, im Alter bildet sich eine tief längsrissige, graubraune Borke. An kurzen Stielen sitzen buchtig gelappte Blätter. Die Eicheln sitzen an langen Stielen, daher der Name „Stieleiche“.
Zunächst bildet die Stieleiche eine Pfahlwurzel, danach ein intensives Herzwurzelsystem.

Natürliche Herkunft

Die Stieleiche ist eine licht- und wärmeliebende, gesamteuropäische Baumart. Ihr Herkunftsgebiet reicht von Russland und vom südlichen Skandinavien bis in den nördlichen Mittelmeerraum. Deswegen sind die Prognosen für die Stieleiche im Klimawandel ausgesprochen günstig. An die Nährstoffversorgung stellt die Stieleiche allerdings gewisse Bedingungen. Eine besondere Eigenschaft der Stieleiche ist es, dass sie auch vor zeitweise feuchten oder kurzzeitig überfluteten Böden nicht zurückschreckt. Ein hoher, in den Wurzelraum eindringender Grundwasserstand ist daher kein Anbauhindernis. Gegenüber scharfen Winterfrösten ist die Stieleiche unempfindlich.

Anbau

Stieleichen haben einen hohen Lichtbedarf. Frühzeitige, regelmäßige Durchforstungen sind nötig. Auf wasserbeeinflussten Standorten (Grundwasser, Stauwasser und Überflutungswasser) ist die Stieleiche besonders konkurrenzkräftig. Ist keine natürliche Verjüngung möglich, werden Eichenwälder durch Pflanzung oder Saat begründet. Die Saat hat den Vorteil der von Beginn an ungestörten Wurzelentwicklung. Tiere wie z.B. der Eichelhäher tragen in erstaunlichem Umfang zur Verbreitung der Stieleiche bei. Aus vergessenen Wintervorräten werden kostenlose, wertvolle Ansatzpunkte der Eichenverjüngung. Oft werden die Depots weit entfernt vom Mutterbaum angelegt.
Verschiedene Mischbaumarten fördern nicht nur die Holzqualität der Eiche, sondern haben auch viele ökologische Vorteile.
Die Hainbuche beschattet und pflegt die Eichenstämme, bleibt aber zumeist unter der Eichenkrone. Im Eichen- Hainbuchenwald ist sie daher die ideale Mischbaumart zur Stieleiche.
Hutewälder mit ihren großkronigen Bäumen sind selten gewordene Landschaftselemente.
Auch wegen ihres Inventars an seltenen (Insekten-)Arten werden sie besonders gepflegt.

Risiken

Dank des tief reichenden Wurzelwerks sind Eichen besonders sturmfest, stabil und auch gegen längere Trockenphasen gut gerüstet. Blattfraß im Frühjahr durch Schmetterlingsraupen (Schwammspinner, Frostspanner, Eichenprozessionsspinner) können durch den „Johannistrieb“ wieder ausgeglichen werden. Mehltau-Befall der Blätter ist meist unbedeutend. Der Zweipunkt-Eichenprachtkäfer kann vorgeschädigte Eichen zum Absterben bringen. Vor allem in warmen Regionen bereitet zuletzt der Eichenprozessionsspinner Sorgen. Seine giftigen Raupenhaare gefährden die Gesundheit der Waldbesucher.

Nutzung

Das schwere, harte, dennoch elastische und nur wenig arbeitende Holz wird für Möbel, im Innenausbau, als Bau- und Konstruktionsholz, für Weinfässer oder im Schiffsbau verwendet.
Eichenholz ist ein geschätztes Furnier- und Parkettholz.
Gute Wertholzstämme werden zu Höchstpreisen versteigert.
Die gerbstoffreiche Rinde wurd früher zur Gerberei verwendet.
Eicheln haben einen hohen Nährwert.

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