Baumarten-Steckbriefe
Eibe, wertvolle Schattenexistenz

Starke Eibe

Die Eibe ist eine sehr seltene Baumart. An den Boden stellt sie keine zu großen Ansprüche, klimatisch ist sie an das Klima der Gebirge und Mittelgebirge Mitteleuropas angepasst.
Zu warm und trocken darf es für die Eibe aber nicht sein. Keine andere heimische Baumart verträgt so viel Schatten wie die Eibe. Sie ist so schattentolerant, dass sie auch bei einem geringen Lichtangebot von 12 Prozent der Lichtstärke im Vergleich zum Freistand gut leben kann.

Merkmale

Eiben kann man leicht mit Tannen verwechseln.
Im Gegensatz zur Tanne sind Eibennadeln deutlich zugespitzt und haben keine gekerbten Nadelspitzen.
Auch fehlen ihnen die unterseitigen Wachsstreifen und der typische Duft.
Außer der roten Fruchthülle sind alle Pflanzenteile sehr giftig.
Eiben wachsen sehr langsam und können leicht mehr als 500 Jahre alt werden.
Eine genaue Altersbestimmung ist oft schwierig, da alte Eiben sehr häufig im Kern faul oder hohl sind.

Natürliche Herkunft

Die Eibe ist eine typische mitteleuropäische Baumart. Bereits die Kelten verehrten die Eibe. Bis heute lebt ihre mythologische Bedeutung als Todes- und als Lebensbaum. Im Mittelalter wurde sie in Mitteleuropa fast ausgerottet. Nur in schwerer zugänglichen und dünner besiedelten Gebirgsregionen konnte sie sich halten. Die Eibe kommt vor allem in den Gebirgen und Mittelgebirgen vor. Daher ist die Prognose für ihren Anbau in tieferen Lagen im Klimawandel nicht besonders günstig. Die Eibe besiedelt sowohl kahle, trockene Kalkfels-Standorte als auch saure Böden. Überflutung und Nässe meidet sie. Aus Gärten und abgelagerten Abfällen verwildern Kultursorten der Eibe oder andere Eibenarten in die Wälder.

Risiken

Durch Nutzungen wegen der guten Holzeigenschaften, insbesondere für den Bogenbau, und ihre Verdrängung durch Viehhalter wegen der giftigen Inhaltsstoffe wurde die Eibe sehr stark zurückgedrängt. Mit dem Anbau der Baumart soll verhindert werden, dass die Eibe schon bald zu den gefährdeten Arten zählt. Dennoch bleibt der Anbau der Eibe häufig eine Liebhaberei. Ziel spezieller Fördermaßnahmen ist es, wenn möglich mit natürlicher Verjüngung, in Schwerpunktregionen einen nachhaltigen Bestandesaufbau zu schaffen. Das langsame Wachstum der Eibe erfordert Geduld. Mit Verjüngungszeiträumenvon 20 bis 30 Jahren ist zu rechnen.
Die Verjüngung über Samen dauert zwar lange, ist aber – wenn man den Wildverbiss verhindert – gut möglich. Die Verjüngung über Stockausschlag hat den Vorteil des kürzeren Verjüngungszeitraumes. Auch eine vegetative Vermehrung über Zweige (Stecklinge) ist möglich. Auch wenn die Eibe Schatten erträgt, so wird sie deutlich vitaler, wenn man ihr Licht verschafft und beschattende Konkurrenzbäume entnimmt. Die wilden Vorkommen der Eibe stehen unter Naturschutz, künstliche Anbauten können aber genutzt werden. Auf die Verwendung geeigneter, von Wildvorkommen gewonnener Herkünfte ist zu achten.

Risiken und Chancen

Weil die Eibe sehr langsam wächst, besteht das Risiko des Wildverbiss über viele Jahre. Das Wurzelsystem der Eibe entwickelt sich zur Herzwurzel. Wegen der guten Tiefenverankerung und der weit reichenden, oberflächlich streichenden Wurzeln kann die Eibe steilste Standorte besiedeln und befestigen. Die Hauptgefahr für die Eibe war die Übernutzung im ausgehenden Mittelalter. Deshalb und wegen ihrer Giftigkeit für Nutztiere wurde sie beinahe ausgerottet. Die Eibe hat neben dem Wild und dem Menschen nur wenige Feindeund ist sehr robust.

Nutzung

Eibenholz ist harzfrei, elastisch, hart und schwer. Die Eibe besitzt unter allen einheimischen Baumarten das dauerhafteste Holz. Das Holz wird heute im Möbelbau verwendet. Früher fertigte man daraus Bögen und Armbrüste. Ötzi, die berühmte Gletscherleiche aus den Ötztaler Alpen, hatte einen Eibenbogen bei sich. Auch der Stiel seines Kupferbeiles war aus Eibenholz.

Weitere Baumarten-Steckbriefe