Baumarten-Steckbriefe
Sommerlinde, robust und wärmetolerant

Sommerlinde

Die Sommerlinde macht ihrem Namen alle Ehre und besiedelt - anders als ihre Schwesterart Winterlinde - mehr die gemäßigten und warmen Bereiche Mitteleuropas. Im Süden hat sie allerdings ihre Grenzen dort, wo es zu trocken und warm ist. Ihre Prognosen im Klimawandel sind gut.
Die Sommerlinde findet sich auch auf sehr steinigen oder felsigen Böden. Wenn sie durch Steinschlag verletzt wird, schlägt sie alsbald wieder aus.

Merkmale

Sommer- und Winterlinde lassen sich gut an der Blattbehaarung unterscheiden. Die Blätter der Sommerlinde sind rundum behaart, die Blätter der Winterlinde sind oberseits und am Stiel kahl. Sommerlinden können weit über tausend Jahre alt werden. Um Linden ranken sich Gedichte, Lieder und Legenden. Als Hof- oder Dorflinde ist sie bis heute eine sympathische Baumart. Unter Linden tagte früher das Gericht. Nach dem Richterspruch wurde das Urteil an Galgenlinden vollstreckt.

Natürliche Herkunft

Oft redet man nur von der „Linde”, ohne zwischen Sommer- und Winterlinde zu unterscheiden. Doch sollte man im Waldbau die Arten klar trennen, da die ökologischen Ansprüche unserer beiden heimischen Lindenarten verschieden sind. Die Sommerlinde besiedelt mehrheitlich kalkreiche Böden und meidet schlecht durchlüftete, nährstoffarme Böden. Sie wächst aber noch auf steinigen, flachgründigen Kalkstandorten. Der Verbreitungsschwerpunkt der Sommerlinde liegt in Mittel- bis Südeuropa. Gegen Nordosten und Norden ist ihr Verbreitungsareal enger begrenzt als jenes der Winterlinde. Ihre Wärmetoleranz macht die Sommerlinde zu einer wertvollen Alternative in den Zeiten des Klimawandels.

Anbau

Während der Jugend ist die Sommerlinde schattentolerant. Später steigt ihr Lichtbedarf. Die natürliche Verjüngung aus Samen ist eher selten. Häufiger ist die Vermehrung aus Stockausschlag. Nur in der frühesten Jugend wachsen Sommer- und Winterlinde relativ langsam, dann wachsen sie aber rasch. Dabei ist die Sommerlinde raschwüchsiger als die Winterlinde. Der eher konkurrenzschwachen Mischbaumart muss durch forstliche Maßnahmen durch Entnahme der schärfsten Konkurrenten geholfen werden.
Auf Fels- und Steinstandorten ist die Sommerlinde deutlich konkurrenzstärker. Sie kommt auch auf Blockschutthalden gut zurecht und erträgt Steinschlag. Die Sommerlinde verbessert mit ihrer rasch abbaubaren Laubstreu den Boden. Das macht sie zu einer wertvollen Baumart im Nebenbestand. Besonders wertvoll ist sie in Mischungen zu Eiche und Edellaubbaumarten, weil sie die Stämme der Nachbarbäume beschattet und so die Astreinigung verbessert. Es ist möglich, sie punktuell nahezu allen Laub- und Nadelhölzern beizumischen. Bei zu viel Seitenlicht bildet sie Klebäste aus, die die Qualität des Holzes beeinträchtigen.

Risiken

Zahlreiche Pilz- und Insektenarten leben auf der Sommerlinde. Keine ist jedoch so schädlich, dass sie existenzbedrohend werden könnte. Vom Wild wird die Sommerlinde weniger als andere Baumarten verbissen. Erdmaus, Rötelmaus und Feldmaus verschonen sie oft. Bei frühem Austrieb leidet die Sommerlinde unter Spätfrösten.

Nutzung

Das weiche, leichte, homogene, elastische Lindenholz reißt kaum und lässt sich gut bearbeiten. Bildhauer, Schnitzer und Drechsler schätzen es deshalb als Werkstoff. Als Bau- und Konstruktionsholz ist es ungeeignet. Aus Rindenfasern wurden früher belastbare Seile (z.B. Brunnenseile) geflochten. Lindenblüten nutzt man für Tees und Arzneimittel, den Bienen sind sie eine beliebte Weide.

Weitere Baumarten-Steckbriefe