Schon wieder ein Jahrhundertsommer: Wie reagiert der Wald?

Braunrote Fichtenkronen

Fichtennadelrötepilz im Stadtwald Abenberg, die Fläche wurde zwischenzeitlich auf Eiche, Hainbuche mit Edelkastanie umgebaut.

Mit 19,3 Grad Celsius (°C) lag der deutschlandweite Temperaturdurchschnitt um rund 3,0 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Damit war der Sommer 2018 mit den Monaten Juni bis August der zweitheißeste seit Beginn der regelmäßigen Messungen im Jahre 1881.

In Kitzingen am Main, dem Wärmepol Bayerns, konnte man im Sommer 2018 insgesamt 44 heiße Tage mit über 30°C zählen.
Der Sommer 2018 brachte dabei in den drei Monaten mit rund 130 Litern pro Quadratmeter (l/m²) nur 54 Prozent seines Solls von 239 l/m².

Auch in den Landkreisen unseres Amtsgebiets haben wir einen Sommer erlebt, der seinesgleichen sucht. Hohe Temperaturen zusammen mit sehr geringen Niederschlagsmengen stellen eine große Belastung für die Waldbäume unserer Region dar.
Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Bäume draußen im Wald sich über Jahrzehnte an die kühleren und feuchteren Bedingungen der Vergangenheit angepasst haben. Nun kommen sie innerhalb nur weniger Jahre plötzlich aus dem Kühlschrank in den Backofen und wissen dann gar nicht, wie ihnen geschieht.

Auswertungen der Waldklimastation in Altdorf bis August 2018

Waldklimastation Altdorf Temperaturen 2003 2015 2018

Temperaturen 2003 2015 2018

Waldklimastation Altdorf Monatssummen Niederschläge 2018

Monatssummen Niederschläge 2018

Niederschläge Waldklimastation Altdorf 2003 2015 2018

Niederschläge 2003 2015 2018

Waldklimastation Altdorf verfügbarer Wasservorrat im Boden 2003 2018

Wasservorrat im Boden 2003 2018

Waldfläche ist schlecht aufgestellt für solch ein Klima

Diplodiapilz in Verbindung mit blauem Kiefernprachtkäfer nahe GustenfeldenZoombild vorhanden

Diplodiapilz in Verbindung mit blauem Kiefernprachtkäfer nahe Gustenfelden

In unserem Amtsbereich (Landkreise Roth und Nürnberger Land, Stadt Schwabach) werden 86 % der Waldfläche von nur vier Baumarten gebildet. Kiefer und Fichte, beides zwei kälteangepasste nordische Baumarten, sind mit 68 % dabei, den Rest von 18 % bilden die wärmegewohnten Arten Buche und Eiche.

Wenn man den vergangenen Sommer 2018, aber auch die Jahre 2015, 2006 und 2003 betrachtet, so sind damit über zwei Drittel unserer Waldfläche ganz schlecht für ein so warmes neuartiges Klima aufgestellt. Alle Prognosen deuten darauf hin, dass der Höhepunkt der Erwärmung noch längst nicht erreicht ist, sondern vielmehr noch vor uns liegt. Unterdessen leiden die Fichten bereits jetzt gewaltig unter Borkenkäferfraß. Die Kiefern sind von Misteln und einem Nadelpilz befallen, werden rot und später dürr.
Wer mit offenen Augen durch die Landschaft fährt, kann die Schäden nicht übersehen. Oft kommen die Schäden mit Zeitverzögerung und werden dann gar nicht ohne weiteres mit dem Hitze- und Trockensommer in Verbindung gebracht. Wir haben also noch einiges zu erwarten.

Baumartenalternativen für die Heißzeit

Ein erster Erfolg wäre es, wenn in den Wäldern unseres Raums mehr Eichen und Buchen als bisher stehen würden: 18 % Anteil sind einfach zu wenig für die Heißzeit, in die wir uns hinein bewegen. Von unserem Amt aus empfehlen wir dringend, die bekanntermaßen wärmefesteren Baumarten Eiche und Buche in den leider oft reinen Kiefern- oder Fichtenbeständen anzupflanzen.
Allein durch die Beimischung von Eiche und Buche werden unsere Wälder vielfältiger und deutlich widerstandsfähiger. Im Mischwald ist das Risiko verteilt: „Wer streut, rutscht nicht“.
Zum Glück hält die Natur aber weitere Baumarten bereit, die unsere Wälder noch viel bunter und vielfältiger machen können.

Um die Anreicherung der Wälder mit krisenfesteren Baumarten zu fördern, hat das Amt eine Prospektreihe für 17 angepasste Baumarten herausgebracht. Diese Prospekte fassen kurz und bündig die Besonderheiten der Baumarten zusammen, schildern das Risiko und nehmen dem Waldbesitzer die Qual der Wahl. Im Zusammenhang mit einer kostenlosen Beratung durch das Amt können sich interessierte Waldbesitzer zu den neuen Baumarten informieren und auch die Prospekte erhalten.

Mehr Baumarten braucht das Land!

Waldumbau geht nicht im Eigenbau

Buchen über Äser Rohr Juli 2015Zoombild vorhanden

Gelungener Waldumbau

Im Waldumbau reichern wir die Wälder mit klimafesten Baumarten an und rüsten sie so sowohl für die Veränderungen, die bereits stattgefunden haben, als auch für den zukünftigen Wandel. Die wenigsten Waldbesitzer werden eine Kristallkugel besitzen, die einen Blick in die Zukunft ermöglicht.

Daher bietet unser Amt professionelle Beratung bei der Baumartenwahl an. Es kommt ja darauf an, die optimale Kombination aus neuem und bewährtem zu erzielen, um den Wald stabil und zukunftssicher zu gestalten. Wenn die Frage geklärt ist, was im Zukunftswald wachsen kann und soll, kommt noch die Herausforderung hinzu, das beste Verfahren für den Weg des Umbaus zu wählen.
Häufig wird man die alternativen Baumarten pflanzen müssen, wenn man Glück hat, kann man aber auch die kostenlos von der Natur bereit gestellte natürliche Waldverjüngung nutzen. Erfolgreicher Waldumbau ist anspruchsvoll und geht daher nicht im Eigenbau. Er bedarf der beratenden Unterstützung durch die Profis des Amts.

Das Beste zum Schluss: Es gibt Fördergeld.

Neben der unentgeltlichen und objektiven Beratung verfügt die Forstverwaltung auch über erhebliche Fördermittel, mit denen der aufwändige Umbau der Wälder unterstützt wird. Die Revierleiter unseres Amts sind die Ansprechpartner sowohl für die Beratung als auch für die Förderung des Waldumbaus. Im Försterfinder finden Sie den für Sie zuständigen Revierleiter. Die Anpassung der Wälder an Hitze und Dürre ist eine wichtige und große Aufgabe, unser Amt hilft gern und entwickelt zusammen mit den Waldbesitzern maßgeschneiderte Lösungen.